JAHRESBERICHT / RAPPORT ANNUEL / RAPPORTO ANNUALE
JAHRESBERICHT 2010
RAPPORT ANNUEL 2010
RAPPORTO ANNUALE 2010
Stiftungsratsitzung
BERN, 16. JUNI 2011
Jahresbericht 2010
Lieber Ehrenpräsident und Ehrenmitglieder,
liebe Mitglieder des Stiftungsrates und liebe Gäste,
sehr geehrte Damen und Herren,
Als Allererstes möchte ich mich für den Ablauf der außerordentlichen Stiftungsratssitzung vom letzten November 2010 entschuldigen, ein Ablauf der wahrscheinlich viele Stiftungsratsmitglieder unzufrieden belassen hat. Ich übernehme die Volle Verantwortung für das Geschehen und appelliere mich im Nachhinein auf Ihr Verständnis. Die Vorbereitung der heutigen Sitzung konnte nach dem Umzug nach Bern und entsprechender Verstärkung der Ressourcen auf der Geschäftsstelle in einer ruhigeren Situation ablaufen. So hoffe ich, dass wir es heute mit Ihrer wertvollen Zusammenarbeit, die gesetzten Ziele zugunsten unserer Institution erreichen werden und dass ich somit am Ende der Sitzung zufriedenere Gesichter sehen werde. Die heutige Sitzung ist eigentlich eine der Wichtigsten der letzten Jahre, da die erste Phase der Neuausrichtung des REG abgeschlossen ist und die endgültige Gestalt des zukünftigen REG beschlossen wird. Ich habe nur einen Wunsch an Sie: Dass unsere Arbeit im Direktionskomitee, die wir trotz so spärlichen Mitteln, aber mit sehr viel Einsatz und Begeisterung im Interesse unserer Berufe erledigen, endlich einmal verstanden wird. Als ich vor 5 Jahren die Führung des REG übernahm und der Stiftungsrat 2004 die Neuausrichtung beschlossen hat, hatten wir nur ein Ziel vor den Augen: Die Stärkung des Registers. Eine Stärkung nicht im Sinne des Korporatismus, wie viele immer noch meinen – das REG will in der Tat nicht nur ein fakultatives Register bleiben – sondern im Sinne der Aufwertung unserer Berufe in der heutigen Gesellschaft, unter sich ständig verschärfenden Bedingungen für die Berufsausübung in Europa und weltweit dienen.
In dieser Hinsicht muss ich mich immer wieder wundern wie wenig Leute, insbesondere auch unter unseren Kollegen wissen, dass die Berufe des Ingenieurs und des Architekten in der Schweiz nicht als Berufe vom öffentlichen Interesse anerkannt werden. „Das kann doch nicht sein!“, finden die meisten, die ich auf dieses Thema anspreche. Vorallem im Ausland, wo diesen Berufen der Status des öffentlichen Interesse praktisch ausnahmslos zugeteilt ist. Es ist schwierig zu erklären wieso die Schweiz mit ihrem Perfektionismus einen solchen Missstand duldet und zwar auf allen Niveaus: In der Politik, in die Verwaltung, unter den Berufsleuten selber und leider auch unter den Vertretern der Bildungsstätten. Ingenieure und Architekten sind nämlich an der Gestaltung der bebauten Welt maßgebend beteiligt. An den wichtigsten Bestandteilen unserer Lebensqualität, an der Zuverlässigkeit von Anlagen wovon unser Wohlstand abhängt, an die Funktionstüchtigkeit praktisch aller Mitteln die wir zur Arbeit und zum Leben gebrauchen, vom Hammer und Löffel bis zur Raketentechnologie. Und um noch ein hochaktuelles Thema zu nennen: Nicht die Politiker, nicht die Manager und umso weniger die Rechtswissenschaftler, sondern die Forschung und deren Ingenieure werden die Lösungen erarbeiten und implementieren, um die bevorstehende Energiekrise zu meistern nachdem die Schweizer Politiker beschlossen haben die Atomkraft zu verlassen. Das öffentliche Interesse unserer Berufe ist meines Erachtens unbestritten, a priori gegeben was bedingt, dass angemessene Bedingungen an die Berufsqualifikationen der Fachleute gesetzt werden sollten. Wenn dies im Ausland (nicht nur in der EU, sondern in der ganzen Welt) eine Selbstverständlichkeit ist, warum sollte in der Schweiz nicht das Gleiche gelten? Vor allem heute, im Zeitalter der Globalisierung. Das REG praktisch als einzige Stelle in der Schweiz registriert Berufsqualifikationen seit Jahrzehnten aber die offizielle Anerkennung dieser Aufgabe durch das Gesetz fehlt immer noch. Das REG will und kann dies weiterhin (mit Kompetenz) tun. In der heutigen Sitzung werden wir erfahren, wie stark die Trägerverbände diese Hauptaufgabe des REG unterstützen wollen. Dies ist keine Aufforderung des REG im Bezug auf den Berufstand von Ingenieuren und Architekten: Es ist schlicht und einfach spiegelbildliche Anwendung von dem was auf der ganzen Welt üblich und selbstverständlich ist. Wehrt sich jemand dagegen? Unsere Berufe werden nach und nach weniger attraktiv und niemand muss sich wundern, dass die Schweiz die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt unserer Berufe durch so viele Ausländer decken muss. Wenn eine Autorität wie Dr. Giovanni Lombardi im TEC21 gesteht, dass „viele Bauherrschaften Ingenieure nur als bessere Zeichner und Rechner betrachten“, kann dies nur heißen, dass in unserer Gesellschaft den technischen Berufen gegenüber etwas nicht mehr stimmt. Dies kann leider nicht nur die Schuld von Politikern und Verwaltern sein, sondern auch von Bildungsanstalten, die sich nicht genug für ihre Absolventen einsetzen, um angemessene Rahmenbedingungen für die Berufsausübung und -Entfaltung zu garantieren. Da nützt der beste Einsatz der Berufsverbände nichts: Als privatrechtliche Entitäten sind Verbände nahezu machtlos in einer Gesellschaft die sich um Berufsqualifikationen überhaupt nicht mehr kümmert.
Das REG hingegen, gestützt auf den öffentlich rechtlichen Vertrag mit dem Bund, kämpft im Namen aller seiner Berufsverbände in diese Richtung. Zum Beispiel in der Personenfreizügigkeit, ein krasses Beispiel über die Art und Weise wie heute die Politik dieses Problem in unserer Branche auffasst. Noch in der Debatte vorletzter Woche im Nationalrat hat man eindeutig und mit Bedauern feststellen müssen, wie die Personenfreizügigkeit in unserem Lande einseitig interpretiert wird. Dass heißt immer nur in eine Richtung. Vom Ausland in die Schweiz und nur selten umgekehrt. Vielleicht erst wenn die Interessen der großen Gesellschaften tangiert werden. Bei den Produkten genau dasselbe, wie zum Beispiel bei der Annahme vom Cassis-de-Dijon Prinzip: Die Schweiz öffnet die Tore zu allerlei Produkten (und Diensten) aus der EU, auch zu denjenigen mit niedrigeren Spezifikationen als in der Schweiz, hat aber keine Gegenseitigkeit von der EU verlangt. Was die Mobilität der freien Berufe, und insbesondere unserer Berufe anbelangt, ist die Schweiz völlig passiv. Die damalige Motion Slongo (05.3473) zur Erleichterung des Marktzugangs für Schweizer KMU in der Europäischen Union, vor fast sechs Jahren im Ständerat einstimmig angenommen wurden Ende 2010 ad acta gelegt mit der Begründung, dass die wenigen konkreten Fälle die es gab, zur Zufriedenheit der Betroffenen gelöst wurden und das Verfahren nun abgeklärt ist. Fazit: In die Schweiz kann allerlei aus dem Ausland kommen, sich nach Bedarf sogar „Architekt“ nennen und frei erwerben; das Umgekehrte ist nach wie vor sogar für ETH Diplomierte praktisch unmöglich. Weiter mit Beispielen: Die Qualifikationsrichtlinie 2005/36/EG zur Anerkennung der Berufsqualifikationen im Juni 2005 durch den EU-Rat angenommen wie die Abkürzung sagt, hätte von den verschiedenen Staaten, Schweiz inbegriffen, aufgrund der bilateralen Abkommen innert Oktober 2008 ins rechtliche System umgesetzt werden sollen, wie es bei den Mitgliedstaaten auch der Fall war. Wir warten aber immer noch darauf. Diese Umsetzung oder Übernahme der Qualifikationsrichtlinie ist für das REG von besonderem Interesse da darin unsere Institution ihre Existenzgrundlage finden könnte. Warum diese Verspätung? Hat es mit dem Herkunftsprinzip, das die Schweiz immer noch so hoch schätzt etwas zu tun? Nach diesem Prinzip glaubt die Schweiz, dass ihre Produkte und Dienste in der ganzen Welt zu Schweizer Bedingungen vermarktet werden können. Wie kann man heutzutage von anderen meistens stark reglementierten Ländern verlangen, dass sie Berufsleute aus der Schweiz vorbehaltlos akzeptieren nur weil die entsprechenden Berufe in der Schweiz nicht reglementiert sind? Diese Übertreibung an Wirtschaftsfreiheit der Schweiz ist unverständlich vor allem, wenn damit Hindernisse zum Export von wertvollen Schweizer Dienstleistungen und know-how verstärkt werden.
Ich weiß, dass ich mich wiederhole: Bei jeder Stiftungsratssitzung der letzten Jahre habe ich immer wieder solche Argumente gebracht aber nur deswegen, weil ich die Hoffnung (noch) nicht verloren habe einmal in naher Zukunft die gesetzliche Anerkennung eines fakultativen Registers unserer Berufe zu sehen. Ein Register, dass die Personenfreizügigkeit erleichtert; ein Register, dass Transparenz bei den Berufsqualifikationen schafft; ein Register, dass den Kantonen hilft, die Einwanderung von Dienstleistern in Griff zu bekommen; ein Register, dass den Fachleuten hilft, die Bürokratie bei der Erwerbung von Dienstleistungsaufträgen inländisch und ausländisch zu reduzieren; schlussendlich ein Register, dass sich den ausländischen Registern gleichstellen kann, jedoch ein Register ohne Berufszulassung. Ich weiß, dass alle Trägerverbände des REG grundsätzlich darüber einverstanden sind, sonst hätten sie das Projekt REG Neuausrichtung nie in die Wege geleitet, aber ich spüre immer noch einen gewissen Widerstand der wahrscheinlich aus der Befürchtung einer REG Konkurrenz herkommt. Keine Angst das REG will sich nur in eine sehr präzise Stoßrichtung bewegen. In eine Richtung welche die Trägerverbände wegen ihres privatrechtlichen Status nicht einschlagen können. Aspekte betreffend der Berufsausübung, wie zum Beispiel Zulassung und Normierung oder patronale Aspekte sind kein Gegenstand beim REG. Das der Markt dies heute erfordert, habe ich vorher anhand der Entwicklung in Europa und weltweit versucht darzustellen. Es handelt sich um eine Reihe Rahmenbedingungen betreffend Berufsqualifikationen, denen sich die Schweiz früher oder später anpassen soll und ich bin sicher, dass in dieser Beziehung die Trägerverbände gleicher Meinung sind. Aber auch „von unten“ spüren wir im REG einen starken Druck durch Fachleute (aus der Schweiz, sondern vermehrt auch aus dem Ausland) die ihre Berufsqualifikationen offiziell anerkennen lassen wollen. Und gerade zu diesem Thema komme ich endlich auf unsere Aktivitäten des letzten Jahres zu sprechen:
Durch die stärkere Wahrnehmung des REG und seiner Zielsetzungen unter den Fachleuten haben wir in 2010 einen großen Zuwachs an Prüfungsverfahren festgestellt, wie auch bei den normalen Registrierungen. Etwa 100 solche Verfahren wurden eingeleitet. Das heißt 3 Mal mehr als die übliche Anzahl. Dies bedeutet eindeutig und ist ein klarer Beweis dafür, dass die Berufsleute heute die Anerkennung der Berufsqualifikationen für ihren beruflichen Aufstieg und Entfaltung mehr und mehr verlangen. Diese Entwicklung wurde schon seit einiger Zeit in Zürich ersichtlich und hat den Entscheid der Umsiedlung des REG Sitzes beschleunigt. Gegen Ende 2010 haben wir unseren langjährigen Sitz verlassen und sind nach Bern in der Nähe der Bundesverwaltung und der politischen Vertreter, unsere wichtigsten Ansprechpartner, umgezogen. Dieser Entscheid lag schon lange auf unserem Herzen und ich muss gestehen, dass alles dank dem ungeheuren Einsatz unseres Direktors und des Personals auf der Geschäftsstelle so schnell und reibungslos geschehen ist, dass man fast nichts gemerkt hat. Und dies inmitten einer der härtesten Zeiten, die das REG je erlebt hat. Das heißt gerade während der Untersuchung über das REG oder dessen Durchleuchtung die in November 2010 zur Vorstellung des Berichts Calame bei der jetzt berühmten außerordentlichen Stiftungsratssitzung geführt hat. Viele von Ihnen haben an jene Stiftungsratssitzung teilgenommen, die ich anfänglich erwähnt habe. Denkt daran,dass diese Sitzung wurde zwei Wochen nach dem Umzug organisiert. Die Übernahme des neuen Sitzes in Bern hat uns die Gelegenheit gegeben durch einen frischen Start mit erneutem Optimismus in die Zukunft zu schauen. Aber auch vom nicht mehr gebrauchten Ballast der Vergangenheit los zu werden. Durch den Umzug konnten wir insbesondere unser Archiv bereinigen. Die Räumlichkeiten in Bern konnten dank vorsichtiger Ausgaben spartan, aber sauber gestaltet werden. Nebenbei gesagt: Ihr seid herzlich eingeladen, nach der heutigen Sitzung, die neuen Büros zu besichtigen; Büros mit Sitzungszimmern, die auch den Trägerverbänden zur Verfügung gestellt werden können. Wiederum betrachte ich die Eröffnung des neuen Sitzes in Bern als ein Bestandteil der REG Erneuerung die auch mit erhöhter Effizienz verbunden ist. Vieles ist leider in den letzten Jahren nicht so rund gelaufen, vor allem bei der Verwaltung der Dossiers und ich bedaure dies sehr. Deswegen haben wir jetzt auch zusätzliches Personal angestellt (eine Person beschäftigt sich nur mit Prüfungen und Dossiers), Personal das sich bewährt hat und nun die Basis für die zu erwartende stärkere Belastung des REG schafft.
Neben diesen Tätigkeiten die allen offenbar erscheinen, gab es noch Vieles mehr:
- Zum Beispiel die Überarbeitung der Fachspezifischen Weisungen für die Prüfungskommissionen, die nun auf dem Weg der Vervollständigung in der Mehrheit der Kommissionen sind (und auch die Führung der Prüfungen, die mit unseren etwa 110 Experten trotz all diesen Umtriebe weiter gehalten werden mussten);
- Im Weiteren: Die Ernennung der neuen Revisionsstelle, bedingt durch die Gesetzesänderung und dementsprechend die Mitarbeit bei der detaillierten Durchsicht der Finanzlage des REG, die gleichzeitig zur Aufstellung des revidierten Finanzplanes bis 2016 geführt hat, den wir heute besprechen werden;
- Dann die Erneuerung der Professional Card, die sehr geschätzt wird und parallel dazu die ständige Verbesserung unseres Internetportals, mit Online-Formulare und erhöhtem Einsatz von Feedback via Email, um Kosten zu sparen;
- Und schließlich die Einhaltung unserer Roadmap zum REG Neuausrichtungsprojekt, mit dem Durcharbeiten des Berichtes Calame, der uns heute schwerwiegend beschäftigen wird und eigentlich der Kern eines ehrgeizigen Programmes ist, wovon wir stolz sind, bis jetzt, trotz mancher Unmut eingehalten zu haben.
Und all dies nicht mit etwa 10 Personen, wie ein normaler Verband für dasselbe benötigen würde. Nein, meine Damen und Herren, mit – sage und schreibe – zweieinhalb Arbeitsstellen (eigentlich zweieinhalb erst seit Ende 2010). Kein Wunder, dass das REG im letzten Jahr manchmal überfordert war. Deswegen geht mein aufrichtiger Dank am Schluss meines Jahresberichtes an erster Stelle dem REG Direktor Pierre Henri Schmutz, ein echter, gleichgesinnter und unermüdlicher Freund und rechter Arm und seinem Staff, Karin Eith und Lea Sarita Frieden. Ein grosser Dank verdienen dann auch meine Kollegen im Direktionskomitee in Corpore, die mich durch Ideen, Vorschläge, konstruktive Kritik und vor allem Geduld meinem lateinischen Charakter gegenüber immer unterstützt haben. Auch den Prüfungsexperten, die an der Stiftungsratssitzung normalerweise durch die Präsidenten der Prüfungskommissionen vertreten sind, gilt mein Dank für ihre uninteressierte aber sehr geschätzte Arbeit. Denen sage ich: Ihr seid die nächsten auf der Warteliste der REG Knacknüsse, Ehrenwort. Am Schluss geht mein Dank noch an die Trägerverbände selber, wovon das REG geistlich und materiell abhängt: Heute durch ihre Vertreter werden wir erfahren, ob die Trägerverbände das REG auch strategisch im Sinne einer Wiederauferstehung der technischen Berufe nach wie vor unterstützen.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Dr. Ing. G. Anastasi
Stiftung der Schweizerischen Register der Fachleute
in den Bereichen des Ingenieurwesens, der Architektur und der Umwelt
Locarno-Bern, 16. Juni 2011

